Definition
Ein zivilrechtlicher Anspruch, bei dem die fahrlässige Pflichtverletzung des Beklagten vorhersehbar dem Kläger psychischen Schaden zufügt; die erforderlichen Elemente und der Beweisumfang variieren je nach Rechtsordnung und können Vorhersehbarkeit, Pflicht, Pflichtverletzung, Kausalität und teilweise körperliche Manifestation umfassen.
Prinzip
Prinzip
Das ordnende Prinzip ist die Vorhersehbarkeit innerhalb eines Pflichtverhältnisses: Der Schädiger haftet für psychische Schäden, die eine vorhersehbare Folge einer fahrlässigen Handlung sind, wenn der Kläger in der geschützten Gefahrenzone liegt oder andere rechtliche Kriterien erfüllt.
Demonstration
Demonstration
Ein Autofahrer überfährt eine rote Ampel und verursacht fahrlässig einen Unfall mit schweren Verletzungen eines Passagiers; ein anderer Mitreisender, der den Unfall miterlebt und daraufhin eine schwere posttraumatische Belastungsstörung entwickelt, könnte in zugelassenen Rechtsordnungen einen Anspruch wegen fahrlässiger Zufügung seelischen Leids haben.
Fehlanwendung
Fehlanwendung
Jede alltägliche Verstimmung, Belästigung oder spekulative Angst als ersatzfähigen psychischen Schaden zu werten, ohne nachzuweisen, dass der Schaden eine vorhersehbare, adäquate Folge der Pflichtverletzung war.
Konsequenz
Konsequenz
Bei Nachweis können Kläger entschädigt werden für psychische Leiden, Behandlungskosten und teilweise entgangene Erwerbseinkommen; Gerichte können den ersatzfähigen Schaden begrenzen oder körperliche Verletzungen bzw. zeitgleiche Wahrnehmung als Schwelle verlangen.
Umkehrung
Umkehrung
Entsteht derselbe psychische Schaden aus vorsätzlichem empörendem Verhalten statt aus Fahrlässigkeit, greift IIED mit anderen Anforderungen (Vorsatz/Täterschaft und Empörung) anstelle eines fahrlässigkeitsbasierten Anspruchs.
Abgrenzung
Abgrenzung
Die Anforderungen unterscheiden sich: Manche Rechtsordnungen verlangen körperliche Manifestationen oder zeitgleiche Wahrnehmung, andere begnügen sich mit Vorhersehbarkeit; Sonderregeln gelten oft für Beobachter, medizinische Fälle oder Arbeitskontexte.
Semantische Spannung
Semantische Spannung
Spannung zwischen NIED und IIED (Vorsatz vs. Fahrlässigkeit) sowie zu Haftungsregeln bei reinem Vermögensschaden oder psychiatrischem Schaden; Überschneidungen führen zu unterschiedlichen Rechtsfolgen und Beweisständen.
Synthese
Synthese
Die fahrlässige Zufügung seelischen Leids erfasst psychische Schäden als vorhersehbare Folge fahrlässiger Pflichtverletzung, wobei rechtskreisabhängige Schwellen das Interesse an Entschädigung gegen die Gefahr einer Überfrachtung des Zivilrechts abwägen.