Definition
Eine stillschweigende oder ausdrückliche vertragliche Verpflichtung, dass die Parteien ehrlich handeln, kooperieren und es unterlassen, den gemeinsamen Vertragszweck zu untergraben oder die berechtigten Erwartungen der anderen Partei auszunutzen.

Prinzip

Prinzip
Verträge sind so zu erfüllen, dass sie den berechtigten Erwartungen der Parteien und dem Geist der Vereinbarung entsprechen; Treu und Glauben verbietet opportunistisches Verhalten, das die Leistung vereitelt oder den Vertragszweck ohne rechtfertigenden Grund zunichte macht.

Demonstration

Demonstration
In einem langfristigen Liefervertrag lenkt ein Käufer absichtlich Bestellungen an ein verbundenes Drittunternehmen, um den Lieferanten um das erwartete Volumen zu bringen; dies verletzt die Pflicht zu Treu und Glauben und fairem Handeln, selbst wenn eine wörtliche Vertragsauslegung dem Käufer weiten Ermessensspielraum einräumt.

Fehlanwendung

Fehlanwendung
Die Berufung auf Treu und Glauben zur Umgestaltung wesentlicher Vertragsbestandteile oder zur Auferlegung weitreichender moralischer Pflichten, die keinen Bezug zum Vertragszweck haben, wodurch vereinbarte Risikoallokationen gestört werden.

Konsequenz

Konsequenz
Fördert kooperatives Verhalten bei der Leistungserbringung, reduziert Streitigkeiten über geringfügige Konflikte und eröffnet billige Rechtsbehelfe, wenn Parteien in einer Weise handeln, die berechtigte vertragliche Erwartungen ungerechtfertigt untergräbt.

Umkehrung

Umkehrung
Parteien opportunistisches Verhalten zu gestatten—Schlupflöcher auszunutzen, absichtlich Kooperation zu verweigern oder die Leistung zu vereiteln—ohne Rechtsfolge, selbst wenn dieses Verhalten den Vertragszweck untergräbt.

Abgrenzung

Abgrenzung
Der Anwendungsbereich variiert je nach Rechtsordnung und Vertragstyp; Treu und Glauben erlaubt keine Handlungen, die im Widerspruch zu ausdrücklichen Vertragsbestimmungen stehen, noch begründet es eigenständige Pflichten ohne Bezug zur Vertragserfüllung oder zu konkreten kaufmännischen Erwartungen.

Semantische Spannung

Semantische Spannung
Spannung zwischen einem breiten, normativen Verständnis von 'Treu und Glauben', das allgemeine moralische Pflichten auferlegt, und engeren, pragmatischen Formulierungen, die auf ehrliche Leistung und Verhinderung von Opportunismus zielen.

Synthese

Synthese
Treu und Glauben sowie faires Handeln sind eine relationale Pflicht in der Vertragserfüllung, die ehrliches, kooperatives Verhalten fordert, um das Vertragsverhältnis zu wahren und die ungerechte Ausnutzung der begründeten Erwartungen der anderen Partei zu verhindern.